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Pep Guardiola hat vor Weihnachten bekannt gegeben, dass er seinen Vertrag nach Ablauf der Saison nicht verlängern wird. Gleiches hat drei Jahre zuvor Jupp Heynckes gemacht – Am Ende der Saison stand der FC Bayern mit dem ersten Triple der Vereinsgeschichte da. Doch dieses Mal sieht es anders aus: Was für das Triple fehlt, sind die Niederlagen.

Spielerisch mit die Besten in Europa – Aber auch mental?

Der FC Bayern spielt bisher eine überragende Saison. Auch wenn es offiziell keiner der Vereinsführung aussprechen möchte: Der Fokus liegt auf dem Gewinn der Champions-League. Die deutsche Meisterschaft ist schon so gut wie gewonnen, im DFB-Pokal ist man auch auf Kurs und in der Champions-League wartet der Vorjahresfinalist Juventus Turin. Gegen Turin wird es sicher schon eng werden, aber auf dem Weg zum Champions-League Titel warten dann eben auch noch Real Madrid und der FC Barcelona. Spielerisch kann der FC Bayern sicherlich gegen jedes Team gewinnen, aber die Frage ist, ob sie es auch mental können.

Fehlende Niederlagen sorgen auf der Mentalebene für einen Leistungsabfall

Was die Wirtschaft von Trainer Jupp Heynckes lernen kannAuch in der letzten Saison hat der FC Bayern in der Bundesliga eine fast perfekte Saison gespielt. Den DFB-Pokal und die Champions-League konnte man jedoch nicht gewinnen. Sicherlich gibt es hierfür verschiedene Gründe, ein starker Grund ist jedoch das Ausbleiben von Niederlagen in der Bundesliga. Unser Entwicklungspotenzial ist nach Niederlagen am Größten. Wer immer nur gewinnt, sieht irgendwann keinen Grund mehr, seine absolut beste Leistung zu geben. Nach zahlreichen Siegen sind diese für unser Unterbewusstsein normal, so dass unser Kopf nicht die entscheidenden Reize setzt, alles für den Sieg zu geben, denn dieser wird ja so oder so erwartet. Dem FC-Bayern München fehlen Niederlagen, die jedem Spieler wieder vor Augen halten, dass sie in jedem Spiel alles aus sich heraus holen müssen. Bleiben diese Niederlagen aus, kommt es oftmals zu einer Art Schonhaltung, die in Bequemlichkeit endet. Hier und da eine Niederlage in der Bundesliga würde den Spielern des FC Bayern daher sehr gut tun, um sich selbst nach diesen Niederlagen auch immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Überlegenheit in der Bundesliga ist Handicap für die Champions-League

Der Blick in die anderen großen internationalen Ligen zeigt: Die Top-Teams verlieren regelmäßig. Egal ob Juventus Turin, Real Madrid oder der FC Barcelona. Dem FC Bayern ist hier sicher kein Vorwurf zu machen, vielleicht liegt es an der Qualität der Konkurrenz. Für das Vorhaben die Champions-League zu gewinnen oder gar das Triple zu holen, sind diese Voraussetzungen für die Mentalebene der Spieler jedoch alles andere als förderlich.

Der FC Bayern ist für die Bundesliga zu überlegen, wenn Niederlagen kommen, dann im internationalen Geschäft, also der Champions-League. Hier werden Niederlagen jedoch gnadenlos bestraft. Man darf gespannt sein, wie die Champions-League-KO-Runde für den FC Bayern läuft, aber es spricht vieles dafür, dass es ähnlich läuft wie in den letzten zwei Jahren. Es wird wahrscheinlich nicht zum Titel reichen – es sei denn in der Bundesliga entfacht in der Rückrunde ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen den Bayern und Borussia Dortmund. Sollte jedoch, wie im Vorjahr, die Meisterschaft schon relativ früh gewonnen werden, erreichen die Spieler automatisch Zufriedenheit – Und Zufriedenheit bedeutet Leistungsabfall. Der FC Bayern wird sich alle dem psychologisch bewusst sein – Man darf gespannt darauf sein, wie man diesem psychologischen Nachteil der fehlenden Niederlagen entgegenwirkt. Vielleicht wird der Traum vom zweiten Tripel in der Vereinsgeschichte doch wahr.

Was kann die Businesswelt daraus lernen?

Egal ob Manager, Führungskräfte oder Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung – Wir alle versuchen Fehler zu vermeiden. Viele Menschen setzen sich in der Arbeitswelt so selbst unter Druck, weil sie der Meinung sind, Fehler können die Beförderung oder gar den Job kosten. Grundsätzlich hängt es jedoch davon ab, welche Bedeutung wir unseren Fehlern beimessen. Die meisten Menschen beschäftigen sich nicht mit ihren Fehlern oder Niederlagen, sondern tun so, als wäre nichts gewesen. Hier ist jedoch der Fokus falsch. Jeder von uns muss seine Fehler und Niederlagen kritisch hinterfragen und versuchen daraus zu lernen. Was kann ich in der Zukunft besser machen, damit mir diese Fehler nicht mehr passieren? Solche Fragen müssen wir uns stellen, nur dann können wir uns auch weiterentwickeln. Dem FC Bayern fehlen diese Niederlagen auf nationaler Ebene, so dass sie sich nicht permanent kritisch hinterfragen können, um Verbesserungsansätze zu finden. Die Bayern würden die eine oder andere Niederlage jedoch sicher dankend annehmen. Um diese zu nutzen. Um besser zu werden. Auch wenn man meint, perfekt zu sein.


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