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Angelique Kerber hat 2016 ein unglaubliches Jahr hinter sich. Grand-Slam-Sieg bei den Australian Open, Finale in Wimbledon, Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen und ganz aktuell: Grand-Slam-Siegerin bei den US-Open sowie Nummer 1 der Tennisweltrangliste. Hinter diesen Erfolgen steckt eine enorme Entwicklung, von der die komplette Businesswelt lernen kann. Vor zwei Jahren noch zählte Angelique Kerber sicherlich nicht zu den mental stärksten Spielerinnen auf der Tennis-Tour. Doch spätesten im Finale der US-Open konnte es jeder sehen: Kerber ist aktuell mental die Stärkste. Kein Mensch wird mit mentaler Stärke geboren, ganz im Gegenteil: Man es muss es sich mühsam erarbeiten.

Was die Businesswelt von Angelique Kerber lernen kann

 

Zufriedenheit ist Gift für den Erfolg

Kerber ist nach ihrem sensationellen Sieg bei den Australian Open zu Beginn des Jahres in ein Leistungstief gefallen. Es folgten einige Erstrunden-Pleiten bei darauffolgenden Turnieren und auch beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres ist sie bereits früh gescheitert. Grund dafür war ihre Zufriedenheit. Auch Wochen nach ihrem Grand-Slam-Erfolg überwiegte die Freude und Glückseligkeit. Was auf den ersten Blick etwas Tolles und Wunderbares ist, ist auf den zweiten Blick etwas, dass unsere Leistung erheblich schwächt – Zufriedenheit. In dem Moment wo wir zufrieden sind, setzt unser Unterbewusstsein den Schongang ein und das Resultat sind durchschnittliche bis schlechte Leistungen. In dieser Phase sind wir dann auch nicht mehr in der Lage, unser volles Leistungspotenzial zu entfalten. Zufriedenheit ist Gift für den Erfolg. Es spricht natürlich nichts dagegen, sich zu freuen und seine Erfolge ausgiebig zu feiern, aber desto schneller wir uns neuen Zielen widmen, desto länger bleibt der Erfolg. Angelique Kerber hat es in den ersten Wochen nach den Australian Open nicht geschafft, sich neue Ziele zu setzen und aus dem Prozess der Zufriedenheit herauszukommen, die schlechten Leistungen in den darauffolgenden Turnieren waren also das logische Resultat. Desto größer die erreichten Ziele sind, desto länger kann es dauern aus diesem Prozess herauszukommen, aber wir dürfen nicht aufhören nach neuen Zielen zu streben. Bei Kerber hat es fast vier Monate bis zum Turnier in Wimbledon gedauert, wo sie erst im Finale gegen die damalige Nummer 1 der Welt, Serena Williams, in einem hochklassigen Finale verloren hat.


Was können Sie daraus lernen?

  • Freuen Sie sich über erreichte Ziele, aber geben Sie sich damit nicht zufrieden.
  • Setzen Sie sich immer wieder neue Ziele, auch wenn Sie meinen, dass Sie schon alles erreicht haben, was es zu erreichen gibt.
  • Lernen Sie nicht nur aus ihren Niederlagen, sondern auch aus Ihren Erfolgen und nutzen Sie Ihre Erfolge, um noch besser zu werden.

Kerber hat gelernt, sich selbst den Druck zu nehmen

Viele Menschen scheitern an sich selbst, indem sie sich selbst zu viel Druck auferlegen und daran regelrecht zerbrechen. Auch Kerber hat sich in der Vergangenheit immer wieder zu viel Druck aufgebaut, so dass sie am Ende nicht mehr in der Lage war, ihr volles Leistungspotenzial abzurufen. Bei den olympischen Spielen in Rio de Janeiro stand sie im Finale und war absolute Favoritin auf die Goldmedaille – immerhin spielte sie doch gegen Monica Puig, die Nummer 34 der Welt, Kerber zu der Zeit die Nummer 2. Puig machte zwar ein unglaubliches Match, Kerber war aber während des Finales zu keiner Zeit in der Lage, ihr volles Leistungsvermögen abzurufen, und das war ihr sicherlich im Nachhinein auch klar, denn Kerber hat sich besonders nach Olympia mental noch einmal weiterentwickelt. Sie selbst hat gesagt, dass sie die Goldmedaille nicht verloren, sondern die Silbermedaille gewonnen hat. Vom Fokus her ein entscheidender Unterschied. Viele Menschen trauern ihren „verpassten Chancen“ hinterher und vergessen dabei das, was sie bisher erreicht haben. Besonders junge Nachwuchs-Führungskräfte werden auf dem Weg nach oben auch mal stolpern, was völlig normal ist. Anstatt dann jedoch etwaigen verpassten Möglichkeiten nachzutrauern, sollte man auch einfach mal innehalten und sich selbst aufzeigen, was man bisher erreicht hat.

 

Bereits vor den US-Open bei dem Turnier in Cincinnati hätte Kerber mit einem Turniersiegt die Nummer 1 der Welt werden können. Und sie hat es tatsächlich auch souverän ins Finale geschafft. Besonders das mediale Echo aus Deutschland war groß, wäre Kerber doch die erste Nummer 1 der Tenniswelt seid Steffi Graf. Und Kerber selbst wollte unbedingt die führende in der Weltrangliste sein. Das Finale verlor sie aber, ähnlich wie bei den olympischen Spielen, da sie zu keiner Zeit ihre Leistung abrufen konnte – zu groß war für sie der eigens auferlegte Druck. Auch in der Businesswelt ist das ein immer wieder zu beobachtendes Phänomen: Mitarbeiter, die ihre Leistung nicht abrufen können, wenn es darauf ankommt. Zum Beispiel bei wichtigen Kundenpräsentationen, Verkaufsgesprächen oder auch Bewerbungsgesprächen – obwohl man doch perfekt vorbereitet ist und alles tausendmal geübt hat. Diese Differenz der Leistung hat nicht etwa was mit der Tagesform zu tun, sondern ist schlicht und einfach Ausdruck einer unterschiedlichen mentalen Verfassung. Bei den US-Open war Kerber mit den gleichen Bedingungen konfrontiert: Sie hatte wieder die Chance die Nummer 1 zu werden – und sie ist es geworden.


Was können Sie daraus lernen?

  • Arbeiten Sie nicht mit dem Wort „MUSS“. „Ich muss den Kunden überzeugen“ oder „Ich muss den Job“ bekommen sorgt für mentalen Druck, der Sie in Ihrer Handlungsfreiheit bremst.
  • Lassen Sie sich von außen keinen Druck auferlegen.
  • Sie müssen nicht heute die Welt erobern – sie können das auch schrittweise. Wer zu viel erwartet und will, der wird scheitern.

Das große Ganze ausblenden und den Fokus ins Hier und Jetzt legen

Angelique Kerber hat aus ihren Fehlern der letzten Monate und Jahre gelernt, hat gemerkt, was der Druck mit ihr und ihrer Leistung macht. Bei den US-Open zählte für Kerber nur das bevorstehende Match, alles andere hat sie mental nicht in ihren Kopf gelassen. Sie hat sich nur auf das konzentriert, was unmittelbar vor ihr lag. Kerber hat es geschafft das große Ganze auszublenden und hat sich immer nur auf den nächsten Schritt fokussiert. Unmittelbar vor dem Halbfinale der US-Open stand fest, dass sie die neue Nummer 1 der Welt sein wird, da Serena Williams verloren hatte. Mit dieser Information auf den Platz zu gehen und überragendes Tennis zu spielen ist von der mentalen Leistung her nicht hoch genug einzuschätzen. Sie hätte die Spannung verlieren können, hätte sich über die Nummer 1 freuen können, so dass sie leistungsmäßig wieder nicht ihr Potenzial hätte abrufen können – aber sie hat es ausgeblendet und sich nur auf den nächsten Schritt konzentriert. Dieser Fokus hat ihr dann auch ihren zweiten Grand-Slam-Erfolg gesichert, mit einer Leistung, die mental unglaublich war.


Was können Sie daraus lernen?

  • Fokussieren Sie sich auf das, was unmittelbar vor Ihnen liegt und versuchen Sie hier stets Ihr Bestes zu geben.
  • Denken Sie nicht an das was sein könnte oder sie erreichen könnten. Konzentrieren Sie sich immer nur auf den nächsten Schritt.

Angelique Kerber ist die Nummer 1 der Welt, weil sie sich stets weiter entwickelt hat und aus jedem Sieg und jeder Niederlage gelernt hat. Sie weiß, dass ihre mentale Verfassung entscheidend für die eigene Leistung ist. Und mental ist sie in diesem Jahr eine der Stärksten geworden.


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