Die Macht der Gedanken: Wie Ihr Denken Ihr Leben verändert
Gedanken sind kein Zufall. Sie stehen am Anfang jeder Handlung und entscheiden damit darüber, was aus einem Vorhaben wird. Wer seine Gedanken bewusst steuert, verändert nicht nur sein Denken, sondern seine Ergebnisse. Markus Czerner arbeitet seit 2012 als Keynote Speaker für mentale Stärke und hat als Buchautor zwei Bestseller zu diesem Thema geschrieben. Dieser Beitrag zeigt, in welchen sechs Bereichen Gedanken wirken, was die Forschung dazu belegt und wo das verbreitete „einfach positiv denken“ an seine Grenze kommt.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Warum die Macht der Gedanken so entscheidend ist
- 2 Sechs Bereiche, in denen Ihre Gedanken wirken
- 3 Praxisbeispiel: Was Gedanken bewirken können
- 4 Was die Forschung zeigt: Vorstellung bremst den Kraftverlust
- 5 Die Strategie der Visualisierung
- 6 Vorstellungskraft schafft Wirklichkeit
- 7 Die Macht der Gedanken steuern
- 8 Wo positives Denken an seine Grenze kommt
Warum die Macht der Gedanken so entscheidend ist
Die meisten Menschen versuchen, ihr Verhalten zu ändern, ohne ihre Denkweise zu hinterfragen. Dabei ist die Reihenfolge eine andere: Gedanken erzeugen Gefühle, Gefühle erzeugen Handlungen, Handlungen erzeugen Ergebnisse. Wer in seinem Leben etwas verändern will, verändert zuerst sein Denken.
Ihre Gedanken bestimmen:
- Ihre Wahrnehmung und Ihren Fokus
- Ihre Motivation und Ihre Energie
- Ihre Reaktionen in Stresssituationen
- Ihre Fähigkeit, Ziele zu erreichen
Sechs Bereiche, in denen Ihre Gedanken wirken
Am Anfang von allem, was wir tun, steht ein Gedanke. Ohne ihn kommen wir nicht ins Handeln. Und weil das meist unbewusst abläuft, bemerken wir nicht, wie viel dieser Gedanke entscheidet.
Gefühle
Positive Gedanken erzeugen Zuversicht, negative erzeugen Zweifel.
Verhalten
Denken Sie klein, handeln Sie klein. Denken Sie groß, wachsen Sie über sich hinaus.
Wahrnehmung
Ihr Gehirn filtert Informationen danach, worauf Sie sich gedanklich konzentrieren.
Motivation
Intrinsische Motivation entsteht nicht aus dem Nichts, sondern aus zielgerichteten Gedanken.
Handlung
Gedanken führen zu Entscheidungen, und diese bestimmen Ihre Richtung.
Ergebnisse
Was Sie heute erleben, ist das Resultat Ihrer vergangenen Gedanken.
»Gedanken sind keine Nebensache. Sie sind der Ursprung von allem. Wer seine Gedanken beherrscht, beherrscht sein Handeln.«
– Markus Czerner, Buchauto und Keynote Speaker für mentale Stärke
Praxisbeispiel: Was Gedanken bewirken können
Stellen Sie sich vor, Sie sollen über einen zehn Zentimeter breiten Balken gehen, einmal am Boden, einmal in zwei Meter Höhe. Was ändert sich? Nicht der Balken. Nur Ihre Gedanken. Der Fokus auf die Angst erzeugt Unsicherheit, der Fokus auf das Ziel erzeugt Sicherheit. Nicht die Realität bestimmt also Ihr Verhalten, sondern das, was Sie über sie denken.
Inspiration: Erfolg beginnt im Kopf
Erfolg beginnt im Kopf, Misserfolg auch. In seinem Keynote Vortrag zeigt Markus Czerner, welche Macht Gedanken haben und wie sich mentale Stärke trainieren lässt. Das founders Magazin zählt ihn zu »einem der besten Redner Deutschlands«.
Was die Forschung zeigt: Vorstellung bremst den Kraftverlust
Eine Untersuchung, die 2014 im Journal of Neurophysiology veröffentlicht wurde, zeigt, wie weit der Einfluss von Gedanken in den Körper hineinreicht. Nicht als Behauptung, sondern als Messung.
Das Experiment
Drei Gruppen wurden über vier Wochen beobachtet (Clark, Mahato, Nakazawa, Law und Thomas, 2014). Bei den ersten beiden Gruppen wurden Hand und Handgelenk im Gips ruhiggestellt, damit die Muskeln nicht benutzt werden konnten. Die erste Gruppe tat sonst nichts. Die zweite Gruppe stellte sich an fünf Tagen pro Woche vor, die Muskeln kräftig anzuspannen, ohne sie zu bewegen. Die dritte Gruppe war die Kontrollgruppe und tat nichts von beidem.
Das Ergebnis
Nach vier Wochen hatte die erste Gruppe 45,1 Prozent ihrer Kraft verloren. Die zweite Gruppe, die sich das Anspannen nur vorgestellt hatte, verlor 23,8 Prozent. Also etwa die Hälfte.
Beide Gruppen hatten ihre Muskeln vier Wochen lang nicht bewegt. Der einzige Unterschied bestand darin, dass die eine Gruppe daran gedacht hat.
Was das bedeutet
Die Studie zeigt nicht, dass Vorstellung Muskeln aufbaut. Sie zeigt etwas Genaueres: Vorstellung hält die Verbindung zwischen Gehirn und Muskel offen. Nicht der Muskel vergisst in vier Wochen, wie er arbeitet, sondern das Gehirn verliert den Zugriff auf ihn. Und dieser Zugriff lässt sich allein durch Denken erhalten.
Das ist die Grundlage für mentales Training und für Visualisierung. Und es ist der Grund, warum die zweite Gruppe nicht einen Finger krumm machen musste, um einen messbaren Unterschied zu erzeugen.
Die Strategie der Visualisierung
Bei der mentalen Visualisierung geht es darum, die Voraussetzungen für Erfolg im Kopf zu schaffen, bevor es ernst wird. Nicht nur Spitzensportler nutzen das. Vor und während einer Situation, in der sie Bestleistung abrufen müssen, gehen sie die bevorstehenden Abläufe noch einmal durch, so detailliert und so realitätsnah wie möglich. Manche sehen sich dabei selbst beim Gewinnen zu.
Erfolgreiches Handeln visualisieren
Was das bedeutet?
Bei der »mentalen Visualisierung« geht es darum, mentale Voraussetzungen für Erfolg zu schaffen. Es sind nicht nur Spitzensportler, die diese Strategie nutzen – so gut wie alle erfolgreichen Menschen nutzen sie. Erfolgreiche Menschen sind Meister des Kopfkinos. Sie denken sich den Erfolg quasi herbei. Besonders vor oder während Wettkämpfen (und hiermit meine ich wieder Situationen, wo wir Bestleistungen erbringen müssen) bereiten sie ihren Körper durch die mentale Visualisierung auf den Erfolg vor. Dabei gehen sie die bevorstehenden Bewegungen noch einmal bis ins kleinste Detail, so realitätsnah wie möglich, durch oder schauen sich selbst beim Siegen zu.
Visualisierung in der Formel 1
Ich habe in der Formel 1 im Management eines Fahrers gearbeitet. Was dort in den Minuten vor dem Start passiert, sieht von außen aus wie nichts.
Die Fahrer sitzen im Auto, die Augen geschlossen. Dann fängt der Kopf an, sich zu bewegen, nach links, nach rechts, in einem Rhythmus, der von außen keinen Sinn ergibt. Bis man versteht, was man da sieht: Sie fahren die Strecke. Jede Kurve, jeden Bremspunkt, die Ideallinie. Sie kennen jedes Detail, und der Kopf dreht automatisch mit, wenn sie gedanklich einlenken.
Das ist keine Beruhigungsübung. Das ist mentale Vorbereitung, und sie ist so konkret, dass der Körper mitgeht. Es ist dieselbe Verbindung, die das Experiment mit dem Gips gemessen hat: Der Gedanke erreicht den Muskel, auch wenn sich nichts bewegt. Im Fahrerlager kann man das sehen.
Wenn der Fahrer dann losfährt, ist das Rennen für ihn nicht neu. Er hat es im Kopf bereits gefahren, bei trockener und bei nasser Strecke, mit durchgespielten Fehlern und ihren Korrekturen. Verliert er kurz die Kontrolle über das Auto, trifft ihn das nicht unvorbereitet.
Unser Handeln ist das Symptom. Die Ursache sind unsere Gedanken.
Darum geht es in Markus Czerners Erfolgsbuch: wie sich die Macht der eigenen Gedanken nutzen lässt, im Beruf und darüber hinaus.
Vorstellungskraft schafft Wirklichkeit
Erfolgreiche Menschen haben oft eine gemeinsame Fähigkeit: Sie können sich ihre Zukunft genau vorstellen, bevor sie eintritt. Albert Einstein hat das so formuliert: „Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“
Groß denken
Unsere Vorstellungskraft markiert die Grenze dessen, was wir für erreichbar halten. Genau darum geht es bei dem, was als „think big“ bekannt geworden ist. Viele Menschen denken zu klein und können sich Großes gar nicht vorstellen. Und darin liegt die Falle: Wir erreichen nur das, was wir uns vorstellen können. Wer sich große Ziele setzt, schafft sich die Möglichkeit, große Dinge zu erreichen
Leistungsgrenzen sind mentale Grenzen
Leistungsgrenzen im engeren Sinn gibt es nicht. Was wir als Grenze erleben, ist fast immer eine mentale. Wer überzeugt ist, eine Assistenzstelle sei das Höchste, was in seiner Laufbahn möglich ist, wird selten mehr erreichen. Nicht weil er nicht mehr leisten könnte, sondern weil er sich mehr nicht vorstellen kann. Wer sich dagegen in der Geschäftsführung oder im Vorstand vorstellen kann, hat die Voraussetzung dafür geschaffen, dort auch anzukommen.
Das gedankliche Limit auflösen
Erweitern Sie Ihre mentalen Grenzen, und Ihre Leistungsgrenzen verschieben sich mit. Jeder Mensch erreicht genau das, was er sich vorstellen kann. Es gibt kein festes Leistungslimit. Wir setzen es uns selbst, in unseren Gedanken.
Die Macht der Gedanken steuern
Neben der Visualisierung ist die Gedankensteuerung der zweite Teil des mentalen Trainings: zur richtigen Zeit an die richtigen Dinge denken. Maximale Leistung ist nur möglich, wenn die Aufmerksamkeit vollständig bei der Sache liegt. Genau hier berührt das Thema die Resilienz, die Markus Czerner als Keynote Speaker für Resilienz behandelt.
Gedanken kontrollieren
Wer in einem wichtigen Meeting sitzt und dabei an private Probleme denkt, wird keine Bestleistung abrufen. Negative und ablenkende Gedanken senken das Leistungsniveau messbar. Menschen, die unter Druck zuverlässig abliefern, lassen solche Gedanken in diesen Momenten nicht zu. Dabei bleiben uns nur zwei Möglichkeiten: Wir kontrollieren unsere Gedanken, oder unsere Gedanken kontrollieren uns.
Gedanken zielgerichtet beeinflussen
Welche Gedanken auftauchen, können wir nicht entscheiden. Negative Gedanken kündigen sich nicht an, sie sind einfach da. Entscheiden können wir aber, welchen davon wir zu Ende denken.
Und das lässt sich üben. Die Methode ist unspektakulär und besteht aus drei Schritten:
Bemerken. Den Gedanken als Gedanken wahrnehmen, nicht als Tatsache. Das ist der schwierigste Teil, weil negative Gedanken sich wie Einschätzungen anfühlen und nicht wie Vermutungen.
Abbrechen. Nicht weiterdenken. Niemand zwingt uns, einen negativen Gedanken bis zum bitteren Ende zu verfolgen. Das tun wir freiwillig.
Ersetzen. Sofort einen anderen Gedanken an die Stelle setzen. Nicht irgendeinen positiven, sondern einen, der zur Situation passt und überprüfbar ist.
Auch Menschen, die unter Druck zuverlässig funktionieren, werden mit negativen Gedanken konfrontiert. Sie geben ihnen nur keinen Raum.
Was sich langfristig verändert
Je häufiger Sie einen negativen Gedanken abbrechen und ersetzen, desto seltener kommt er. Die Gesamtheit Ihrer Gedanken verschiebt sich über Monate, nicht über Tage. Dass mentale Stärke bei manchen Menschen wie eine Charaktereigenschaft wirkt, liegt meist daran, dass sie diese Verschiebung lange hinter sich haben.
Wo positives Denken an seine Grenze kommt
Die Macht der Gedanken wird regelmäßig überschätzt, und zwar an einer bestimmten Stelle. Wer sich nur das Ergebnis vorstellt, den Applaus, den Abschluss, den Titel, erzeugt damit ein gutes Gefühl und manchmal weniger Handlung als vorher.
Das Gehirn verbucht die Vorstellung bereits als Teilerfolg.
Das Experiment mit dem Gips zeigt den Unterschied. Die zweite Gruppe hat sich nicht vorgestellt, stark zu sein. Sie hat sich vorgestellt, den Muskel anzuspannen. Also die Anstrengung, nicht das Ergebnis.
Dasselbe gilt für den Formel-1-Fahrer. Er stellt sich nicht das Podium vor, sondern die Kurve, den Bremspunkt, den Fehler und seine Korrektur. Visualisierung wirkt dort, wo sie die Arbeit vorwegnimmt. Wo sie die Belohnung vorwegnimmt, ersetzt sie sie.
Deshalb ist der Satz „denk einfach positiv“ als Ratschlag wertlos. Gedanken sind kein Wunschzettel. Sie sind ein Werkzeug, und wie jedes Werkzeug wirken sie nur, wenn man weiß, worauf man es ansetzt.
Über den Autor: Markus Czerner
Markus Czerner ist Keynote Speaker für mentale Stärke und Buchautor. Er stand seit 2012 über 500 Mal auf Bühnen in sechs Ländern und hat sieben Bücher geschrieben, zwei davon sind Bestseller. Als angehender Tennisprofi hat er früh erlebt, wie viel im Kopf entschieden wird, später hat er in der Formel 1 im Management von Nick Heidfeld gearbeitet.
Seine Botschaft: Erfolg beginnt im Kopf. Misserfolg auch.