Ich liebe strukturierte Vorträge. Ein sauberer Aufbau, klar definierte Botschaften, gute Dramaturgie – all das ist Teil eines professionellen Vortragstrainings. Doch es gibt diesen einen Moment, den viele Speaker fürchten und den ich gleichzeitig unglaublich spannend finde: Wenn der Plan nicht mehr funktioniert.
Das Mikro versagt. Die Präsentation will nicht starten. Die angekündigte Keynote dauert plötzlich statt 30 nur noch 15 Minuten. Oder – und das passiert häufiger, als man denkt – das Publikum reagiert ganz anders als erwartet.
Genau hier beginnt ein anderer, oft unterschätzter Teil in einem Speaker Training: Improvisation.
Nicht als Notlösung – sondern als bewusste Kompetenz.
Warum Improvisation eine Speaker-Superkraft ist
Viele denken bei Improvisation an „irgendwas sagen, wenn’s brennt“. Doch echte Improvisation basiert nicht auf Zufall, sondern auf Vertrauen in die eigene Präsenz, Klarheit in der Botschaft und situativer Flexibilität.
Sie ist das Ergebnis von Vortragstraining, nicht von Glück.
Und ganz ehrlich: Wenn du nur auf den perfekten Ablauf angewiesen bist, wirst du nie ein souveräner Speaker. Gute Redner:innen erkennt man nicht daran, wie perfekt sie ihren Vortrag halten – sondern daran, wie sie mit dem Unperfekten umgehen.
3 Prinzipien, die ich mit meinen Coachees trainiere
1. „Ja, und…“ statt „Ja, aber…“
Diese Regel kommt aus dem Improvisationstheater – und sie verändert deine Reaktionsfähigkeit dramatisch. Statt Widerstand („Das war nicht geplant!“) kultivieren wir Zustimmung („Okay, das ist jetzt so – und ich mache was draus“).
Das senkt den Stress und öffnet neue Möglichkeiten auf der Bühne.
2. Trainiere das Unerwartete
In meinen Workshops mache ich gerne ein Experiment: Ich unterbreche einen Übungsvortrag mit einem plötzlichen Zwischenruf, einer absurden Frage oder technischen Störung. Warum? Weil echte Bühnenmomente nicht planbar sind – aber unsere Reaktion darauf sehr wohl.
Ein starkes Vortragstraining integriert genau solche „Störfaktoren“, um die Resilienz auf der Bühne zu stärken.
3. Story statt Slide
Wer improvisiert, braucht kein Skript – sondern einen inneren roten Faden. Deshalb arbeite ich mit Speaker:innen oft daran, ihre Botschaft in klare, erinnerbare Stories zu verpacken.
Wenn die Technik ausfällt, fällt die Folie – aber eine gut erzählte Geschichte trägt dich durch jeden Vortrag.
Fazit: Improvisation ist kein Chaos, sondern Kontrolle im Chaos
Improvisation im Vortrag ist kein Talent, das nur Bühnenmenschen mitbringen – es ist eine erlernbare Kompetenz, die dir Freiheit, Sicherheit und Souveränität schenkt.
Und ganz nebenbei macht sie deine Auftritte lebendiger, menschlicher und authentischer.
Wenn du also das nächste Mal vor Publikum stehst und irgendetwas läuft nicht nach Plan: Atme. Schau dich um. Und nimm es auf.
Vielleicht ist genau dieser Moment der, an den sich alle erinnern werden.
Wenn du deine Speaker Skills wirklich auf das nächste Level bringen willst – nicht nur technisch, sondern auch emotional und situativ – dann ist Improvisation dein Schlüssel. Und ich begleite dich gerne dabei.