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KRISEN.
ERFOLGREICH.
NUTZEN.

Krise als Chance: was der Satz bedeutet und was wirklich hilft

Eine Krise ist der Moment, in dem gewohnte Lösungen nicht mehr greifen. Was daraus wird, entscheidet die Reaktion darauf.
»Jede Krise ist eine Chance« klingt deshalb richtig und ist im falschen Moment die unbrauchbarste Aussage, die man hören kann. Wer gerade mitten drin steckt, hat für Chancen keine Kraft. Der Satz stimmt trotzdem, nur gilt er nicht von Anfang an. Diese Seite zeigt, wie eine Krise verläuft, woran man eine Lebenskrise erkennt, woher der berühmte Satz kommt und was in welcher Phase hilft.


Was eine Krise ist

Der Begriff wird für vieles verwendet, von der schlechten Woche bis zum Zusammenbruch. In der Psychologie ist er genauer gefasst.

Eine Krise entsteht, wenn die eigenen Bewältigungsstrategien nicht mehr funktionieren. Nicht das Ereignis macht die Krise, sondern das Missverhältnis: Die Anforderung ist größer als alles, was bisher geholfen hat. Daraus folgt der Verlust der Selbstwirksamkeit, also der Überzeugung, durch eigenes Handeln etwas bewirken zu können. Und mit ihr verschwindet die Perspektive.

Das erklärt zwei Dinge, die von außen schwer zu verstehen sind.

Erstens kann dasselbe Ereignis bei einem Menschen eine Krise auslösen und bei einem anderen nicht. Es kommt darauf an, was jemand an Erfahrungen, Mitteln und Menschen zur Verfügung hat.

Zweitens treffen Krisen Menschen in jedem Alter. Die Annahme, mit mehr Lebenserfahrung werde man unempfindlich, ist ein Trugschluss. Erfahrung hilft nur dort, wo die Situation der früheren ähnlich ist. Eine Krise ist aber genau die Situation, für die niemand ein Muster hat.

Die Phasen einer Krise

Krisen verlaufen nicht beliebig. Es gibt zwei bekannte Modelle, und sie beschreiben Unterschiedliches.


Die vier Phasen nach Johan Cullberg

Der schwedische Psychiater Johan Cullberg beschrieb 1978 den Verlauf einer traumatischen Krise, also einer Krise, die von außen und plötzlich kommt: ein Todesfall, eine Kündigung, eine Diagnose, eine Trennung.

Erste Phase, Schock. Sie dauert Minuten bis etwa einen Tag. Innen herrscht Chaos, außen wirkt oft noch alles geordnet. Viele erinnern sich später kaum an diese Stunden.

Zweite Phase, Reaktion. Tage bis Wochen. Die Gefühle wechseln zwischen Verzweiflung, Wut, Apathie und Hoffnungslosigkeit. In dieser Phase liegen die eigentlichen Gefahren: Verdrängung, Flucht in Alkohol oder Tabletten, in schweren Fällen Suizidgedanken. Wer hier nicht alleine bleibt, kommt besser durch.

Dritte Phase, Bearbeitung. Erst jetzt lässt sich ansehen, was passiert ist. Vorher ging es nicht, und das ist kein Versäumnis.

Vierte Phase, Neuorientierung. Neue Möglichkeiten entstehen, eigene Mittel werden wieder nutzbar, das Selbstwertgefühl baut sich auf.

Die fünf Phasen nach Elisabeth Kübler-Ross

Das zweite Modell ist das bekanntere, und es wird am häufigsten falsch benutzt. Die Schweizer Ärztin Elisabeth Kübler-Ross beschrieb 1969 fünf Phasen: Verleugnung, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz.

Entstanden ist das Modell aus Gesprächen mit Sterbenden. Erst später wurde es auf Trauer und dann auf Krisen aller Art übertragen.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Forschung diesem Verlauf heute nicht mehr folgt. Die fünf Phasen treten nicht zwingend in dieser Reihenfolge auf, und manche bleiben ganz aus. Die heutige Trauerforschung arbeitet stattdessen mit der Bindungstheorie und dem transaktionalen Stressmodell von Richard Lazarus. Was das Modell von Kübler-Ross weiterhin leistet, ist etwas anderes und nicht weniger wichtig: Es macht verständlich, warum jemand in einer Krise wütend wird, verhandelt oder abwehrt, anstatt sich vernünftig zu verhalten.

Was daraus für den Satz folgt

Der amerikanische Psychiater Gerald Caplan beschrieb bereits 1964 einen weiteren Verlauf, den der Veränderungskrise: Konfrontation mit einer Lage, für die es kein Muster gibt, dann das Versagen der gewohnten Bewältigung, dann die Mobilisierung aller Reserven, und ohne Hilfe von außen das Vollbild der Krise.

Drei Modelle, eine Gemeinsamkeit: Die Chance steht am Ende, nicht am Anfang.

Genau das erklärt, warum »jede Krise ist eine Chance« so oft als Hohn ankommt. Der Satz ist eine Beschreibung der vierten Phase und wird in der ersten gesagt. Wer in der Schockphase steckt, kann mit ihm nichts anfangen, und das ist kein Mangel an Haltung. Es ist die falsche Reihenfolge.

Der Satz wird dadurch nicht falsch. Er wird nur nutzbar, sobald die Reaktionsphase vorbei ist. Vorher gilt ein anderer: Erst überstehen, dann nutzen.

Woran man eine Lebenskrise erkennt

Eine Lebenskrise beginnt selten mit einem Knall. Häufiger fällt sie zuerst anderen auf. Die folgenden Anzeichen sind keine Diagnose. Sie sind das, was Betroffene im Rückblick häufig beschreiben:


Der Alltag kostet plötzlich Kraft. Dinge, die immer von selbst liefen, werden zu Aufgaben.

Der Schlaf verändert sich, nach oben oder nach unten.

Die Gedanken drehen sich im Kreis, oft um dieselben zwei oder drei Fragen, ohne dass eine Antwort näher kommt.

Der Rückzug beginnt. Verabredungen werden abgesagt, Nachrichten bleiben liegen, Erklärungen werden anstrengend.

Die Perspektive fehlt. Nicht nur der Weg aus der Lage heraus, sondern die Vorstellung, dass es überhaupt einen gibt.

Entscheidungen werden unmöglich. Auch kleine.

Woher der Satz »Krise als Chance« kommt, und warum er falsch zitiert wird

Zum Thema Krise gibt es ein Zitat, das häufiger benutzt wird als alle anderen zusammen. Es ist falsch.


Die Behauptung lautet: Das chinesische Wort für Krise bestehe aus zwei Zeichen, einem für »Gefahr« und einem für »Chance«. John F. Kennedy hat den Satz in Reden verwendet, und seitdem steht er in Vorträgen, Buchvorworten und Jahresauftakten.

Das Wort gibt es, es lautet weiji. Die Deutung stimmt nicht. Victor Mair, Professor für Chinesisch an der University of Pennsylvania, hat die Stelle aufgeklärt, und seine Erklärung wurde 2005 in der New York Times aufgegriffen. Das zweite Zeichen bedeutet nicht »Chance«, sondern den entscheidenden Punkt: den Moment, an dem etwas beginnt oder sich wendet.

Mair geht noch weiter. Ein weiji sei eine wirklich gefährliche Lage, in der man vorsichtig sein sollte, anstatt nach Vorteilen zu suchen. Wer in einer Krise steckt, will zunächst heil herauskommen.

Das ist unbequem für jeden, der den Satz gern verwendet. Und es ist die bessere Aussage.

Eine Krise ist nicht automatisch eine Chance. Sie ist der Moment, an dem sich etwas entscheidet. Was daraus wird, hängt davon ab, was danach passiert. Diese Fassung verspricht weniger und hält mehr.

Sechs Schritte im Umgang mit einer Krise

Die folgenden Schritte stehen in dieser Reihenfolge, weil sie aufeinander aufbauen. Die ersten zwei gehören in die Reaktionsphase, die letzten zwei frühestens in die Bearbeitung.


Akzeptieren Sie die Situation

Chancen werden in einer Krise erst sichtbar, wenn die Krise akzeptiert ist. Je früher das gelingt, desto früher lässt sie sich nutzen. Akzeptieren heißt dabei nicht gutheißen. Es heißt aufhören zu verhandeln, ob das gerade wirklich passiert.

Verlassen Sie die Opferrolle

Vermeiden Sie es, sich als Opfer der Umstände zu sehen oder anderen Menschen die Schuld an der Krise zu geben. Beides fühlt sich berechtigt an und bringt niemanden weiter.

Übernehmen Sie Verantwortung

Übernehmen Sie stattdessen Verantwortung für sich und das, was als Nächstes passiert. Das betrifft nicht die Schuld an der Lage, sondern den Umgang mit ihr.

Finden Sie Ihre Schwachstellen

Eine Krise zeigt Schwachstellen. Warum trifft mich diese Lage so hart? Wer diese Frage beantwortet, findet die Stellen, an denen gearbeitet werden kann.

Verändern Sie etwas

Nutzen Sie eine Krise, um sich weiterzuentwickeln. Wer durch eine Krise geht und danach genauso weitermacht wie vorher, hat sie überstanden und nichts mitgenommen.

Schaffen Sie andere Voraussetzungen

Was muss anders sein, damit solch eine Lage Sie nicht noch einmal so hart trifft? Was auch immer die Antwort ist: Tun Sie es. Danach stehen Sie besser da als vor der Krise.

Welche Krisen uns treffen

Krisen hängen nicht am Lebensbereich. Sie entstehen überall dort, wo das Gewohnte nicht mehr greift.


Berufliche Krisen

Verlust des Arbeitsplatzes, Burnout, Mobbing am Arbeitsplatz, mentale Belastung, Erfolgsdruck, soziale Ängste.

Krisen in der Partnerschaft

Trennung, Betrug, Beziehungskrisen, emotionale Abhängigkeit.

Soziale Krisen

Angst vor gesellschaftlichen Entwicklungen, Angst vor sozialem Abstieg, Verlust von Freunden, Vereinsamung, Altersarmut.

Was in einer Krise hilft

Einen Plan, der für alle passt, gibt es nicht. Drei Dinge gelten trotzdem fast immer.


Niemand ist damit allein

Wer eine Krise durchlebt, hat schnell den Gedanken »warum ausgerechnet ich« und das Gefühl, der einzige Mensch mit dieser Lage zu sein. Das ist eine Täuschung, und sie entsteht daraus, dass über Krisen kaum gesprochen wird. Millionen Menschen stecken in vergleichbaren Situationen, und viele von ihnen sind wieder herausgekommen. Wenn andere es geschafft haben, ist der Weg vorhanden. Das ist keine Floskel, das ist in einer Krise der Unterschied zwischen Perspektive und keiner.

Hilfe holen ist ein Zeichen von Stärke

Wer in einer tiefen Lebenskrise steckt, kommt selten allein heraus. Wer sich ein Bein bricht, geht zum Orthopäden. Wer Zahnschmerzen hat, geht zum Zahnarzt. Und wer seelisch nicht mehr kann, geht zum Psychologen oder Psychotherapeuten. In Deutschland ist dieser Weg noch immer mit Scham besetzt, und diese Scham kostet Zeit, die niemand hat. Je früher Hilfe kommt, desto besser der Verlauf. Sie zu suchen ist ein Zeichen von Stärke.

Den Zustand annehmen

Niemand will in einer Krise stecken. Wenn es passiert, hilft es, den Zustand anzunehmen. Es geht einem gerade schlecht, und vielleicht fehlt jede Perspektive. Das heißt nicht, dass es so bleibt. Je mehr man gegen eine Krise ankämpft, desto schlimmer wird sie. Dass es einem schlecht geht, darf man sich zugestehen und im Umfeld auch sagen. Je offener der Umgang damit ist, desto leichter wird der Weg heraus.

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Wie das von innen aussieht

Die Punkte oben sind eine Liste. Wie sich das anfühlt, lässt sich schwer aufschreiben.

In der Sendung »Gamechanger« erzählt Markus Czerner, Keynote Speaker für Resilienz, von der Lebenskrise, die ihn vor einigen Jahren getroffen hat: die Sinnsuche, die Suche nach Hilfe, das Finden von Hilfe und der Weg heraus. Das Gespräch dauert knapp 13 Minuten und ist nicht beschönigt.

Es steht an dieser Stelle aus einem Grund: Alles, was auf dieser Seite über Krisen steht, kommt aus dieser Zeit.

Wie Resilienz dabei hilft

Dieselbe Lage, zwei Menschen, zwei Ergebnisse. Der Unterschied hat einen Namen. Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen, Verluste und Rückschläge zu überstehen, ohne dauerhaften Schaden zu nehmen oder sich selbst aufzugeben. Sie verhindert keine Krisen. Sie verändert, was eine Krise mit einem Menschen macht.


Resiliente Menschen gehen davon aus, dass sie einen Weg finden werden. Diese Erwartung ist der Kern, nicht Zähigkeit und nicht gute Laune. Rückschläge verarbeiten sie oft schneller, weil sie sie als Teil des Weges einordnen und nicht als Urteil über sich.

Die 7 Säulen der Resilienz beschreiben, woraus diese Haltung besteht. Wer wissen will, was resiliente Menschen konkret anders machen, findet dort die Einzelteile.

Was in einer Krise praktisch weiterhilft, sind drei Fragen, und zwar in dieser Reihenfolge:

  • Was muss ich tun, um die Krise zu überstehen?
  • Was muss ich tun, um danach stärker dazustehen als vorher?
  • Was muss ich ändern, damit mich solch eine Lage künftig nicht so hart trifft?

Die erste Frage gehört in die Reaktionsphase und ist dort die einzige, die zählt. Die zweite und die dritte gehören in die Bearbeitung und in die Neuorientierung. Dort findet die Entwicklung statt, von der am Anfang alle reden. Erfolgreich wird man selten während einer Krise. Danach schon.

Buchtipp: Krise als Chance

Was zeichnet resiliente Menschen aus? Was machen sie anders? Und warum sehen Sie in Krisen eine Chance?

Erst wenn wir lernen, Situationen zu schätzen, in denen etwas schiefgegangen ist, in denen wir falsche Entscheidungen getroffen haben, werden wir daraus lernen und couragiert unseren Weg gehen.

Das Resilienz Buch von Bestseller Autor Markus Czerner ist Plädoyer fürs Scheitern und gegen die Null-Fehler-Toleranz.

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Das Resilienz Buch FAIL GOOD Das Resilienz Buch FAIL GOOD

Ist Resilienz erlernbar?

Die kurze Antwort lautet ja, mit einer Einschränkung. Resilienz ist kein Charakterzug, den man hat oder nicht hat. Veranlagung und Temperament haben einen Anteil daran, geprägt wird sie vor allem in der Kindheit und im Jugendalter, und sie bleibt danach veränderbar.


Was dabei häufig zu einfach erzählt wird: Frühe Belastung macht nicht automatisch widerstandsfähiger. Sie kann es, und sie kann genauso das Gegenteil bewirken. Was den Unterschied macht, sind Schwere und Dauer der Belastung und die Frage, ob in dieser Zeit jemand da war. Wer früh Krisen erlebt hat und damit allein geblieben ist, ist später nicht stabiler, sondern verletzlicher.

Erlernbar bleibt Resilienz trotzdem, und zwar in jedem Alter. Dafür gibt es Wege von der Arbeit an der eigenen Haltung bis zum Resilienz-Coaching. Auch Unternehmen arbeiten daran, weil widerstandsfähige Mitarbeiter in Veränderungsprozessen den Unterschied machen.

Über den Autor

Diese Seite ist nicht aus der Theorie geschrieben. Markus Czerner ist Keynote Speaker für Resilienz, Change Management, Motivation und Fehlerkultur. Seit 2012 stand er bei über 500 Auftritten in sechs Ländern auf der Bühne, vor Gruppen bis 3.500 Menschen.

Das founders Magazin zählt ihn zu den besten Rednern Deutschlands, das Erfolg Magazin zu den 500 wichtigsten Köpfen der Erfolgswelt. Er hat sieben Bücher geschrieben, zwei davon haben die Bestsellerlisten erreicht. »FAIL GOOD« ist das Buch zu diesem Thema, ein Plädoyer für das Scheitern und gegen die Null-Fehler-Toleranz.

Seine eigene Lebenskrise hat er öffentlich erzählt, unter anderem in der Sendung »Gamechanger«: die Sinnsuche, das Finden von Hilfe und der Weg heraus. Das ist der Grund, warum auf dieser Seite der Gang zum Psychologen nicht als Fußnote steht.

Keynote Speaker Markus Czerner Download-Bild 3 (Web) Keynote Speaker Markus Czerner Download-Bild 3 (Web)

Krisen als Vortragsthema

Für Unternehmen, die vor oder in einem Veränderungsprozess stehen, hält Markus Czerner Vorträge über den Umgang mit Krisen.